Solaranlage-Inspektion: Was geprüft wird und wie oft

Eine Inspektion deiner Solaranlage ist eine Kombination aus Sichtprüfung, Funktionskontrolle und elektrischer Messung — fachlich beschrieben in der DIN EN 62446-1 für Prüfung, Dokumentation und Instandhaltung von PV-Anlagen. Ergebnis ist ein Prüfprotokoll mit Messwerten, das du beim nächsten Termin als Vergleichsbasis brauchst.
Drei Ebenen: (1) Sichtprüfung — Module auf Risse, Delamination, Verfärbungen und Verschmutzung, Unterkonstruktion und Modulklemmen auf festen Sitz, Kabelführung auf UV-Schäden, Scheuerstellen und Marderbiss, Wechselrichter auf Lüfter, Verschmutzung und Fehlerspeicher. (2) Funktionsprüfung — Abgleich der Strang-Erträge untereinander, Fehler- und Ereignisliste im Monitoring, Verhalten von Freischaltung und Schutzeinrichtungen. (3) Elektrische Messung nach DIN EN 62446-1 — Durchgängigkeit von Schutzleiter und Potentialausgleich, Polarität, Leerlaufspannung je Strang, Kurzschluss- bzw. Betriebsstrom und Isolationswiderstand der DC-Seite. Bei Auffälligkeiten kommen Kennlinienmessung (I-U-Kurve) und Thermografie dazu, mit denen sich einzelne defekte Module oder heiße Kontaktstellen lokalisieren lassen.

1. Unterlagen sichten: Strangplan, Datenblätter, letztes Prüfprotokoll, Monitoring-Auswertung der letzten Monate. 2. Sichtprüfung Generator und Dach inklusive Verschattungssituation (Bewuchs, neue Aufbauten, Antennen). 3. Kontrolle von Generatoranschlusskasten, DC-Leitungswegen, Wechselrichter und Zählerplatz. 4. Messungen strangweise nach DIN EN 62446-1, jeweils mit Einstrahlungs- und Temperaturangabe, sonst sind die Werte später nicht vergleichbar. 5. Protokoll mit Messwerten, Fotos, Mängelliste und Priorisierung (Sofortmaßnahme / bis zum nächsten Termin / Beobachtung).

Für eine private Anlage gibt es keine allgemeine gesetzliche Prüffrist. Die Fristen kommen aus drei anderen Richtungen: aus deiner Versicherungspolice (viele Versicherer machen die Entschädigung von einer wiederkehrenden Prüfung abhängig — lies die Bedingungen nach), aus Hersteller- und Garantiebedingungen, und im gewerblichen Betrieb aus dem Arbeitsschutz. Betreibst du die Anlage gewerblich, fällt sie als ortsfeste elektrische Anlage unter die wiederkehrende Prüfung nach DGUV Vorschrift 3; der dort genannte Richtwert für ortsfeste Anlagen sind vier Jahre, die verbindliche Frist legst du aber über die Gefährdungsbeurteilung fest. Unabhängig davon ist eine jährliche Sichtprüfung plus laufendes Monitoring die praktikable Linie — Ertragsverluste zeigen sich in den Daten lange, bevor jemand aufs Dach steigt.

Selbst machbar: Monatswerte und spezifischen Ertrag (kWh je kWp) mit dem Vorjahr vergleichen, Strang gegen Strang stellen, Fehlerliste im Wechselrichter lesen, Lüftungsgitter freihalten, Bewuchs zurückschneiden, Module vom Boden aus mit dem Fernglas ansehen, Fotos vom Zustand ablegen. Nicht selbst machen: alles auf der DC-Seite. Ein Solargenerator steht bei Tageslicht unter Spannung und lässt sich nicht einfach abschalten; das Trennen von Steckverbindern unter Last erzeugt Lichtbögen. Arbeiten an DC-Leitungen, Steckern, Generatoranschlusskasten und Wechselrichter gehören zur Elektrofachkraft, Dacharbeiten zusätzlich zur Absturzsicherung.

Gemischte DC-Steckverbinder verschiedener Fabrikate, die zwar mechanisch zusammenpassen, aber keine dauerhaft sichere Kontaktfläche bilden — ein bekannter Ausgangspunkt für Übergangswiderstände und Brandschäden. Weiter: lose oder nachgerutschte Modulklemmen, Leitungen ohne Zugentlastung, die auf der Dachhaut scheuern, Marderbiss an DC-Leitungen, Kabelbinder, die nach Jahren UV-brüchig werden, wachsende Verschattung durch Bäume oder neue Nachbarbebauung, ein Wechselrichter, der wegen Verschmutzung oder zu warmer Aufstellung in die Leistungsreduzierung geht, und einzelne Strings, die auf der Monitoring-Auswertung schleichend hinter ihren Nachbarn zurückbleiben.
Eine Inspektion ohne dokumentierte Messwerte ist beim nächsten Mal wertlos. Achte darauf, dass Leerlaufspannungen, Ströme und Isolationswiderstände strangweise mit Datum, Einstrahlung und Temperatur festgehalten werden — nur dann erkennst du beim Folgetermin eine Verschlechterung statt nur eines Momentwerts. Das Protokoll ist außerdem dein Nachweis gegenüber Versicherung und Hersteller im Schadenfall und die Grundlage, um Mängel gegenüber dem Errichter innerhalb der Gewährleistung geltend zu machen. Fotos der Mängelstellen und ein aktueller Strangplan gehören dazu.
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