Spitzenlastzeit: Wann ist sie und warum ist sie teuer?

Spitzenlastzeit ist der Zeitraum, in dem der Stromverbrauch – im Netz oder in deinem Betrieb – seinen Höchstwert erreicht. Genau dann ist Strom in der Regel am teuersten, und genau diese Spitze bestimmt einen Teil deiner Netzkosten.
Als Spitzenlastzeit bezeichnest du das Zeitfenster, in dem die abgenommene Leistung am höchsten ist. Gemeint sein kann zweierlei: die Spitzenlast im öffentlichen Stromnetz (wenn viele Verbraucher gleichzeitig ziehen) oder deine betriebliche Lastspitze (der höchste Viertelstunden-Leistungswert deines Anschlusses). Für deine Stromrechnung ist meist die zweite Bedeutung entscheidend, denn bei leistungsgemessenen Anschlüssen zahlst du einen Leistungspreis auf deinen höchsten Viertelstunden-Peak im Abrechnungszeitraum.

Im deutschen Netz liegen die Tagesspitzen meist werktags morgens (wenn Betriebe und Haushalte hochfahren) und am frühen Abend (Feierabend, Beleuchtung, Kochen). Die höchste Jahreslast fällt üblicherweise auf kalte, dunkle Winterabende. In deinem eigenen Betrieb kann die Spitze aber ganz woanders liegen – etwa beim gleichzeitigen Anlauf großer Maschinen oder Kühlaggregate. Verlässlich erkennst du deine Spitzenlastzeit nur an deinem eigenen Lastgang (Viertelstundenwerte), nicht an einer Faustregel.

Zwei Effekte treffen zusammen. Erstens sind die Börsenpreise (Day-Ahead/Intraday) in Nachfrage-Spitzen tendenziell höher – wer flexibel ist, kauft günstiger außerhalb. Zweitens bemisst sich bei leistungsgemessenen Kunden der Leistungspreis am höchsten Viertelstunden-Peak: Eine einzige hohe Spitze kann das Netzentgelt für ein ganzes Jahr nach oben ziehen. Es lohnt sich also, nicht nur die Kilowattstunden, sondern die Spitzenleistung im Blick zu haben.

Peak Shaving heißt, die Spitze zu kappen, ohne die Arbeit zu reduzieren. Praktisch: Verbräuche zeitlich verschieben (Lastmanagement), Anläufe entzerren statt alles gleichzeitig starten – und/oder einen Batteriespeicher (BESS) einsetzen, der die Spitze aus dem Akku deckt und in Schwachlastzeiten günstig nachlädt. Schon das Kappen weniger, kurzer Spitzen kann den Leistungspreis spürbar senken.

Ein Batteriespeicher hilft nur, wenn er zur richtigen Zeit lädt. In der Praxis sehen wir häufig das Gegenteil: Die BESS-Batterie lädt genau während der Spitzenlastzeit – also dann, wenn der Strom am teuersten ist. Damit verstärkt sie die Spitze, statt sie zu glätten, und kostet bares Geld. Deshalb muss die Ladesteuerung an Preis- und Lastprognosen gekoppelt sein: laden in Schwachlast, entladen in der Spitze.
Spitzenlast ist die eine Seite – die andere sind Schwachlast- und Überschussphasen mit sehr niedrigen oder zeitweise negativen Börsenpreisen. Wer flexibel lädt oder verschiebt, verlagert Verbrauch bewusst aus der teuren Spitze in diese günstigen Fenster (laut unserer ENTSO-E-Auswertung; Methodik: https://stromfee.ai/techblog/entsoe-negativstunden-2026.html). Für PV-Betreiber ist zusätzlich der §51 EEG relevant: Bei negativen Preisen entfällt die Marktprämie, wobei 2026 eine Bagatellgrenze von 2 Stunden gilt.