Strombörse EPEX — was sie ist und wie sie den Strompreis macht

Die EPEX SPOT ist die europäische Strombörse für den Kurzfristhandel: Hier wird Strom für die nächsten Stunden und den nächsten Tag gehandelt. Der dort gebildete Preis ist die Referenz, an der dein dynamischer Tarif, deine Direktvermarktung und deine Erlöse hängen.
Die EPEX SPOT (European Power Exchange) ist die Börse, an der Strom kurzfristig gehandelt wird — für Deutschland, Frankreich und weite Teile Mitteleuropas. "Spot" heißt: Es geht um physische Lieferung in nächster Zukunft, nicht um Termingeschäfte über Jahre. Käufer (Versorger, Direktvermarkter, Industrie) und Verkäufer (Kraftwerke, PV-, Wind- und BHKW-Betreiber) geben Gebote ab, aus denen sich ein Marktpreis je Stunde bzw. je Viertelstunde ergibt. Genau dieser Preis steckt hinter Begriffen wie "Börsenstrompreis" oder "Spotpreis".

Es gibt zwei Handelsplätze: Der Day-Ahead-Markt ist eine tägliche Auktion, die um 12:00 Uhr für alle Stunden des Folgetags schließt — ein einziger Preis pro Stunde für ganz Deutschland. Der Intraday-Markt läuft danach fast rund um die Uhr weiter und lässt kurzfristige Korrekturen zu, wenn z. B. Wind oder Sonne anders liefern als prognostiziert. Für PV- und BHKW-Betreiber ist meist der Day-Ahead-Preis die entscheidende Größe, weil Vergütung und Vermarktung darauf aufsetzen.

Der Preis richtet sich danach, welches Kraftwerk als teuerstes gebraucht wird, um die Nachfrage zu decken (Merit-Order). Viel Wind und Sonne bei geringer Last drücken den Preis nach unten; hohe Last mit wenig Erneuerbaren treibt ihn nach oben. Deshalb kann Strom mittags bei starker Einspeisung sehr billig und abends teuer sein. Wer Verbrauch verschieben oder einen Speicher laden/entladen kann, nutzt genau diese Spanne.

Übersteigt die Einspeisung die Nachfrage, kann der Preis unter null fallen: Erzeuger zahlen dann dafür, einspeisen zu dürfen. Laut unserer ENTSO-E-Auswertung gab es in Deutschland 2026 bis jetzt 423 Negativstunden mit einem Tiefstwert von −500 €/MWh (Methodik: stromfee.ai/techblog/entsoe-negativstunden-2026.html). Für PV-Betreiber ist das direkt relevant: Fällt der EPEX-Day-Ahead-Preis in einem zusammenhängenden Block unter null, greift die Regelung des §51 EEG.

In der Direktvermarktung verkauft dein Vermarkter deinen Strom am Spotmarkt; dein Erlös hängt am jeweiligen Stundenpreis. Bei Negativpreisen kann die Marktprämie entfallen — nach §51 EEG (Fassung 2026) gilt eine Bagatellgrenze von 2 Stunden: Erst wenn der Day-Ahead-Preis über die maßgebliche zusammenhängende Dauer negativ ist, wird die Förderung für die in diesem Zeitraum erzeugte Menge gestrichen. Wer abregeln oder einspeichern kann, vermeidet diesen Verlust.
Die Day-Ahead-Preise werden täglich nach der Auktion veröffentlicht und in vielen Apps und Dashboards angezeigt — auch dynamische Stromtarife nach §41a EnWG basieren darauf. Für die eigene Anlage lohnt ein Blick auf die Preiskurve des Folgetags: So erkennst du, wann Laden, Verbrauchen oder Einspeisen sich lohnt und wann Negativstunden drohen.
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