Was ist die Scheinleistung?

Die Scheinleistung ist das Produkt aus Spannung und Strom, das dein Netz und deine Betriebsmittel tatsächlich tragen müssen. Sie wird in Voltampere (VA) bzw. Kilovoltampere (kVA) angegeben und ist immer größer oder gleich der nutzbaren Wirkleistung.
Die Scheinleistung S ist die Leistung, die sich rechnerisch aus Spannung und Strom ergibt: Im einphasigen Fall S = U · I, im Drehstromnetz S = √3 · U · I. Sie ist die "Gesamtleistung", die durch die Leitung fließt – unabhängig davon, wie viel davon du wirklich in Arbeit umsetzen kannst. Ihre Einheit ist VA (Voltampere), nicht Watt.

Die Scheinleistung setzt sich aus zwei Anteilen zusammen: der Wirkleistung P (in Watt, macht die eigentliche Arbeit) und der Blindleistung Q (in var, pendelt zwischen Erzeuger und Verbraucher). Es gilt das Leistungsdreieck: S² = P² + Q². Daraus folgt S = √(P² + Q²). Die drei Größen bilden ein rechtwinkliges Dreieck, bei dem S die Hypotenuse ist.

Wie viel der Scheinleistung wirklich als Wirkleistung ankommt, sagt dir der Leistungsfaktor: cosφ = P / S. Bei cosφ = 1 sind Schein- und Wirkleistung gleich (rein ohmsche Last). Bei cosφ = 0,7 fließt fast so viel Blind- wie Wirkleistung – deine Leitung wird belastet, ohne dass du entsprechend mehr nutzbare Leistung bekommst. Deshalb ist ein hoher cosφ das Ziel.

Du hast zwei Wege. Aus Spannung und Strom: einphasig S = U · I, dreiphasig S = √3 · U · I. Aus Wirk- und Blindleistung: S = √(P² + Q²). Kennst du P und cosφ, gilt S = P / cosφ. Beispiel: 10 kW Wirkleistung bei cosφ = 0,8 ergeben eine Scheinleistung von 10 / 0,8 = 12,5 kVA – so groß musst du Trafo, Kabel und Sicherung auslegen.

Trafos, Wechselrichter, Kabel und Generatoren werden nach Scheinleistung (kVA) dimensioniert, nicht nach Wirkleistung (kW). Ein schlechter cosφ bedeutet: Du brauchst größere Betriebsmittel und höhere Ströme für dieselbe nutzbare Leistung. In der Praxis prüft man deshalb Messwerte gegen die Scheinleistungs-Obergrenze (Strom × cosφ) als Plausibilitäts-Check – der reale Primärwert kommt aber immer aus den gemessenen Phasen.