Was ist Scheinleistung?

Scheinleistung ist die gesamte Leistung, die dein Netz transportieren muss – gemessen in Voltampere (VA) bzw. Kilovoltampere (kVA). Sie setzt sich aus der nutzbaren Wirkleistung und der nicht direkt nutzbaren Blindleistung zusammen.
Scheinleistung (Formelzeichen S) ist das Produkt aus Spannung und Strom, ohne Rücksicht auf die Phasenverschiebung. Du rechnest sie in Voltampere (VA) oder Kilovoltampere (kVA) – nicht in Watt. Sie beschreibt, wie stark Leitungen, Trafos und Sicherungen belastet werden, unabhängig davon, wie viel davon du tatsächlich in Arbeit umsetzt.

Die Scheinleistung ist die geometrische Summe aus Wirkleistung (P, in Watt) und Blindleistung (Q, in var): S = √(P² + Q²). Alternativ per Leistungsfaktor: S = P / cosφ. Beispiel: Ziehst du 2.000 W Wirkleistung bei einem cosφ von 0,8, ergibt das 2.000 / 0,8 = 2.500 VA = 2,5 kVA Scheinleistung.

Stell dir ein Bierglas vor: Die Wirkleistung ist das Bier, das du trinkst, die Blindleistung ist der Schaum, und die Scheinleistung ist das ganze Glas. Der Schaum (Blindleistung) nimmt Platz weg, ohne dass du etwas davon hast – er belastet aber trotzdem die Leitung. Je schlechter der cosφ, desto mehr Schaum steckt in deiner Scheinleistung.

Trafos und Kabel müssen für die Scheinleistung in kVA ausgelegt sein, nicht für die Wirkleistung in kW. Bei einem schlechten Leistungsfaktor fließt viel Blindstrom, der deine Anschlussleistung auffrisst. Bei cosφ 0,7 fließt fast so viel Blind- wie Wirkleistung – dein Netzanschluss ist dann schon halb mit unnützem Strom belegt, und Netzbetreiber stellen Blindarbeit ab bestimmten Grenzen in Rechnung.

Auf dem Typenschild von Trafos, Notstromaggregaten und USV-Anlagen steht die Nennleistung fast immer in kVA – das ist die Scheinleistung. Ein 2-kVA-Aggregat liefert bei cosφ 0,8 nur 1,6 kW nutzbare Wirkleistung. Achte deshalb beim Dimensionieren immer auf kVA und den Leistungsfaktor, sonst planst du die Anlage zu klein.
Motoren, Trafos und Vorschaltgeräte erzeugen induktive Blindleistung. Mit einer Blindleistungskompensation (Kondensatoren) hebst du den cosφ näher an 1,0 und senkst so die Scheinleistung bei gleicher Wirkleistung. Das entlastet deinen Anschluss, senkt Verluste in den Leitungen und vermeidet Blindarbeitskosten.