Welchen Stromtarif solltest du bei Photovoltaik wählen?

Die kurze Antwort: Es hängt davon ab, wie viel Strom du trotz PV noch aus dem Netz beziehst und ob du Verbrauch flexibel verschieben kannst. Hier bekommst du die Entscheidung in zwei Schritten, ohne Marketing.
Hast du nur PV mit hohem Eigenverbrauch und ziehst kaum Netzstrom? Dann reicht ein günstiger Standardtarif für den Restbezug. Hast du zusätzlich Batteriespeicher, Wärmepumpe oder E-Auto und kannst Verbrauch zeitlich verschieben? Dann kann sich ein dynamischer Stromtarif lohnen, weil du gezielt lädst, wenn der Börsenpreis niedrig ist. Als Faustregel: Je mehr flexible Last du hast, desto eher lohnt dynamisch.

Wichtig, damit du nicht das Falsche vergleichst: Deine Einspeisevergütung (EEG) für den ins Netz abgegebenen Strom ist unabhängig vom Tarif, mit dem du Reststrom einkaufst. Beim Tarifvergleich geht es nur um den Strom, den du zusätzlich aus dem Netz beziehst – nicht um das, was du einspeist. Optimiere also zuerst deinen Eigenverbrauch, dann den Reststrom-Tarif.

Bei einem dynamischen Tarif ändert sich dein Preis pro kWh im Tagesverlauf – je nach Anbieter stündlich oder in 15-Minuten-Schritten, gekoppelt an die Strombörse. Das nützt dir nur, wenn du Verbrauch aktiv in günstige Stunden legst: Speicher aus dem Netz nachladen, E-Auto nachts laden, Wärmepumpe steuern. Ohne steuerbare Lasten hast du wenig Hebel und trägst nur das Preisrisiko.

Deckst du deinen Bedarf tagsüber weitgehend selbst und ziehst nur wenig, planbaren Reststrom, ist ein fester oder Standardtarif meist ruhiger und einfacher zu kalkulieren. Du zahlst einen stabilen Arbeitspreis und musst nichts steuern. Für kleine Restmengen ist der mögliche Vorteil eines dynamischen Tarifs oft zu gering, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Für einen dynamischen Tarif brauchst du in der Regel ein intelligentes Messsystem (Smart Meter), damit dein Verbrauch viertelstundengenau erfasst wird. Prüfe vor dem Wechsel, ob dein Zähler das kann oder ein Einbau ansteht. Ohne diese Messung kannst du die stündlichen Preisvorteile nicht abrechnen.
1. Schätze deinen jährlichen Netzbezug trotz PV. 2. Prüfe, ob du flexible Lasten hast (Speicher, E-Auto, Wärmepumpe). 3. Wenig Bezug ohne Flexibilität → günstiger Festtarif. Nennenswerter Bezug mit steuerbaren Lasten → dynamischen Tarif rechnen. 4. Vergleiche Anbieter (z. B. Tibber, aWATTar, Ostrom) inklusive Grundgebühr und Smart-Meter-Kosten, nicht nur den Arbeitspreis.