Wie treibhausgasbelastend sind Biogasanlagen wirklich?

Kurz gesagt: Biogas ist nicht automatisch klimafreundlich – es kommt fast alles auf Methan-Lecks und dein Substrat an. Läuft die Anlage dicht und nutzt du Gülle oder Reststoffe, sparst du kräftig Treibhausgas; bei offenen Lagern und reinen Energiepflanzen kann der Vorteil dagegen schnell verpuffen.
Verbrennst du Biogas im BHKW, ist das freigesetzte CO2 biogen – es stammt aus Pflanzen, die den Kohlenstoff vorher der Luft entzogen haben. Der eigentliche Klima-Hebel ist nicht dieses CO2, sondern entweichendes Methan (CH4). Methan wirkt über 100 Jahre rund 25- bis 28-mal so stark wie CO2. Schon wenige Prozent Methanschlupf können den Klimavorteil deiner Anlage stark schmälern oder ganz auffressen.

Prüfe drei Stellen: das offene oder undichte Gärrestlager (größte Quelle, wenn nicht gasdicht abgedeckt), Leckagen an Fermenter, Leitungen und Foliendächern sowie den Methanschlupf im BHKW-Abgas, weil ein Teil des Gases unverbrannt durchrutscht. Eine gasdichte Gärrestabdeckung und regelmäßige Leckage-Kontrolle sind die wirksamsten Stellschrauben, um deine Treibhausgas-Bilanz sauber zu halten.

Fütterst du Gülle und Mist, verhinderst du die Methan-Emissionen, die bei offener Lagerung ohnehin entstünden – deine Anlage kann dadurch klimapositiv wirken. Setzt du dagegen auf Energiepflanzen wie Mais, zählen Anbau, Diesel, Düngung (Lachgas N2O) und Flächennutzung mit in die Bilanz. Reststoffe und Wirtschaftsdünger schneiden fast immer deutlich besser ab als reine Anbaubiomasse.

Deck dein Gärrestlager gasdicht ab und leite Restgas ins BHKW. Halte die Verweilzeit im Fermenter hoch, damit möglichst viel Methan genutzt statt später freigesetzt wird. Lass Leckagen mit Gasspürgerät oder Kamera prüfen und wähle ein BHKW mit geringem Methanschlupf. Je höher dein Gülle- und Reststoffanteil, desto besser fällt deine Treibhausgas-Bilanz aus.

Wird deine Anlage gut geführt – dichtes Lager, hoher Reststoffanteil, wenig Schlupf – ersetzt Biogasstrom fossile Kohle- oder Gaskraftwerke und spart über den Lebensweg viel Treibhausgas. Der Vorteil ist aber kein Selbstläufer: Eine schlecht abgedichtete Anlage im reinen Energiepflanzen-Betrieb kann diesen Vorsprung fast vollständig verlieren. Entscheidend ist nicht ob Biogas, sondern wie du es betreibst.