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Wie wird Biogas gewonnen?

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Wie wird Biogas gewonnen?
Biogas — Stromfee (KI-Bild)

Biogas wird gewonnen, indem organisches Material wie Gülle, Mist, Speisereste oder Energiepflanzen in einem luftdicht geschlossenen Behälter von Bakterien zersetzt wird. Dabei entsteht ein Gasgemisch aus überwiegend Methan und Kohlendioxid, das du verstromen, zu Wärme machen oder als Biomethan ins Erdgasnetz einspeisen kannst.

Die Kurzantwort: Vergärung unter Luftabschluss

Biogas entsteht durch anaerobe Vergärung — also durch Bakterien, die ohne Sauerstoff arbeiten. Du füllst Substrat (Gülle, Mist, Grassilage, Maissilage, Bioabfall) in einen gasdichten Fermenter, hältst ihn warm und rührst ihn regelmäßig um. Die Bakterien bauen die organische Substanz ab und geben dabei Gas ab. Das Gas sammelt sich oben unter der Folienhaube (Gasspeicher) und wird von dort abgezogen. Es ist derselbe Prozess, der auch im Pansen einer Kuh oder im Sumpf abläuft — nur eben kontrolliert, warm und mit Gasfassung.

Wie wird Biogas gewonnen?
Biogas — Stromfee (KI-Bild)
Die 4 Schritte im Fermenter

1) Hydrolyse: Bakterien knacken lange Ketten wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße in kleinere Bausteine (Zucker, Fettsäuren, Aminosäuren). 2) Acidogenese (Versäuerung): Daraus werden organische Säuren, Alkohole, Wasserstoff und CO2. 3) Acetogenese: Diese Zwischenprodukte werden zu Essigsäure, Wasserstoff und CO2 umgebaut. 4) Methanogenese: Erst jetzt machen die eigentlichen Methanbakterien daraus Methan (CH4) und CO2. Alle vier Stufen laufen im Fermenter gleichzeitig nebeneinander — deshalb ist die Anlage empfindlich, wenn eine Stufe kippt: Versäuert der Fermenter, sterben die langsamen Methanbakterien zuerst ab und die Gasproduktion bricht ein.

Wie wird Biogas gewonnen?
Biogas — Stromfee (KI-Bild)
Was rein muss: Substrat, Wärme, Ruhe

Substrat: Gülle und Mist liefern wenig Gas pro Tonne, sind aber billig und bringen die Bakterien mit. Silage und Speisereste liefern viel Gas, kosten aber Geld oder Fläche. Temperatur: Die meisten Anlagen fahren mesophil bei rund 38–42 °C, manche thermophil bei etwa 50–55 °C. Wichtiger als der exakte Wert ist, dass die Temperatur konstant bleibt. Verweilzeit: Das Substrat braucht typischerweise mehrere Wochen im Fermenter, bis der Großteil des Gases raus ist. Rührwerke verhindern Schwimmschichten und Sinkschichten. Luft muss draußen bleiben — Sauerstoff bringt die Methanbakterien um.

Wie wird Biogas gewonnen?
Biogas — Stromfee (KI-Bild)
Was rauskommt: Gas, Strom, Wärme, Dünger

Rohbiogas besteht grob aus rund 50–60 % Methan, dem Rest überwiegend CO2 sowie Spuren von Schwefelwasserstoff und Wasserdampf. Drei Verwertungswege: (a) Verstromung im BHKW — Strom ins Netz, Abwärme in Ställe, Wohnhäuser, Trocknung oder ein Nahwärmenetz; (b) Aufbereitung zu Biomethan (CO2 und Schwefel raus) und Einspeisung ins Erdgasnetz; (c) direkte Wärmenutzung. Übrig bleibt Gärrest — der wandert als Dünger zurück aufs Feld, weil Stickstoff und Phosphor im Prozess nicht verschwinden. Schwefelwasserstoff muss vorher raus, sonst frisst er dir den Motor.

Wie wird Biogas gewonnen?
Biogas — Stromfee (KI-Bild)
Wie du siehst, ob die Gewinnung rund läuft

Drei Größen verraten dir fast alles: Gasspeicherstand (die Folienhaube), Methangehalt und Fermentertemperatur. Fällt die Gasblase trotz gleicher Fütterung, stimmt etwas mit dem Prozess oder es gibt ein Leck. Sinkt der Methangehalt, deutet das auf Überfütterung oder Versäuerung hin. Springt die Temperatur, hat die Heizung oder das Rührwerk ein Problem. Genau deshalb messen wir bei Stromfee diese Werte kontinuierlich mit und bilden typische Fehlerbilder als Kausalketten ab — etwa Gasblasen-Prognose vor dem Volllast-Stop oder Gasspeicher-Leck, wenn das BHKW aus ist und die Blase trotzdem fällt.

Wie viel Gas ein Substrat bringt — die Rechnung

Der Gasertrag hängt nicht an der Tonne Frischmasse, sondern an der organischen Trockenmasse (oTM). Der Rechenweg: oTM (t/a) = Frischmasse × TS-Gehalt/100 × oTS-Gehalt/100. Daraus folgt der Biogasertrag über den substratspezifischen Gasertrag je kg oTM, und der Methanertrag über den Methananteil des Gases. Praktisch heißt das: Eine Tonne Gülle mit wenigen Prozent Trockensubstanz bringt viel weniger als eine Tonne Silage — und wer nur Frischmasse-Tonnen zählt, verschätzt sich systematisch. Nimm für dein Substrat immer die gemessenen TS- und oTS-Werte, nicht Tabellenwerte aus dem Internet.

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