Wie erkennen Energiemonitore Spannungseinbrüche durch hohe Anlaufströme?

Ein Energiemonitor erkennt den Einbruch, indem er Strom und Spannung gleichzeitig und schnell genug abtastet. Steigt der Strom sprunghaft, während die Spannung im selben Moment absackt, ist der Anlaufstrom die Ursache.
Ein Anlaufstrom ist der kurzzeitig sehr hohe Strom beim Einschalten von Motoren, Pumpen oder Transformatoren – oft das 5- bis 8-Fache des Nennstroms. Weil deine Zuleitung einen Innenwiderstand hat, fällt bei diesem Stromstoß Spannung an der Leitung ab, und die Spannung an der Anlage sackt für Sekundenbruchteile ab. Genau diese gleichzeitige Kombination aus Stromspitze und Spannungsdelle liest der Monitor aus.

1. Der Monitor tastet Spannung und Strom mit hoher Rate ab (oft mehrere tausend Messungen pro Sekunde). 2. Er bildet den Effektivwert (RMS) über kurze Fenster, typisch pro Halbwelle (10 ms bei 50 Hz). 3. Er vergleicht jeden RMS-Wert mit dem gleitenden Nennwert. 4. Fällt die Spannung unter eine Schwelle (üblich sind 90 % der Nennspannung) und steigt zeitgleich der Strom, protokolliert er ein Ereignis mit Zeitstempel, Tiefe und Dauer.

Achte auf die zeitliche Korrelation: Stromspitze und Spannungseinbruch treten im selben Moment auf und klingen gemeinsam innerhalb weniger Netzperioden bis wenige Sekunden ab. Ein netzseitiges Problem (z. B. aus dem Verteilnetz) zeigt dagegen einen Spannungseinbruch OHNE gleichzeitigen Stromanstieg bei dir. Diese Unterscheidung ist der Kern der Diagnose.

Ein brauchbarer Monitor gibt dir pro Ereignis: Resttiefe (auf wie viel Prozent die Spannung fiel), Dauer in Millisekunden, Höhe des Anlaufstroms und den Zeitstempel. Über die Zeit siehst du, ob ein bestimmtes Gerät wiederholt einbricht – ein klarer Hinweis auf zu knapp dimensionierte Zuleitung, fehlende Anlaufhilfe oder Gleichzeitigkeit mehrerer Starts.

Für Anlaufvorgänge brauchst du eine ausreichend feine Zeitauflösung: Ein Monitor, der nur alle 1–15 Minuten mittelt, glättet die Delle weg und zeigt sie nie. Sinnvoll sind Halbwellen- bzw. Sekunden-RMS-Erfassung und ein Ereignis-Log. Orientierung für die Bewertung der Einbruchtiefe bietet die Netzqualitäts-Norm EN 50160; für die Messqualität selbst ist die Klasse nach IEC 61000-4-30 ein guter Anhaltspunkt.
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