Blindleistung und Wechselrichter: Was du wissen musst

Dein Wechselrichter kann nicht nur Wirkleistung (kW) einspeisen, sondern auch Blindleistung (kvar) bereitstellen und so die Netzspannung stützen. Wie das funktioniert und was dein Netzbetreiber dabei von dir verlangt, erklären wir dir hier direkt.
Blindleistung entsteht, wenn Strom und Spannung im Netz zeitlich verschoben sind. Sie transportiert keine nutzbare Energie, ist aber nötig, um die Spannung stabil zu halten. Dein Wechselrichter kann diese Verschiebung gezielt erzeugen, indem er den Phasenwinkel (cos φ) zwischen Strom und Spannung anpasst – gemessen wird das in kvar, nicht in kW.

Praktisch jeder netzgekoppelte PV- oder Speicher-Wechselrichter kann heute Blindleistung bereitstellen – das ist eine Anschlussbedingung. Er kann Blindleistung sowohl aufnehmen (untererregt) als auch abgeben (übererregt) und das oft auch nachts, wenn keine Sonne scheint, solange er am Netz bleibt. Ob und wie viel er liefert, stellst du bzw. der Errichter im Gerät ein.

Typisch sind vier Modi: fester cos φ (konstante Verschiebung), cos φ(P) (Verschiebung abhängig von der Einspeiseleistung), Q(U) (Blindleistung abhängig von der Netzspannung) und feste Blindleistung Q. Welchen Modus du fahren musst, gibt dir dein Netzbetreiber im Einspeisezusagen- bzw. Zertifikat-Dokument vor. Q(U) ist bei größeren Anlagen häufig, weil es automatisch auf Spannungsschwankungen reagiert.

Die Regeln stehen in den VDE-Anwendungsregeln: VDE-AR-N 4105 für den Niederspannungsanschluss und VDE-AR-N 4110 für Mittelspannung. Üblich ist ein einstellbarer Verschiebungsfaktor bis etwa cos φ 0,90 (induktiv/kapazitiv), der konkrete Wert und Modus stehen aber in deinem individuellen Netzanschluss-Dokument. Halte dich an dieses Blatt, nicht an Faustwerte.

Kontrolliere im Wechselrichter-Menü den aktiven Blindleistungs-Modus und den Sollwert und gleiche ihn mit der Vorgabe des Netzbetreibers ab. Bei größeren Anlagen übernimmt oft ein übergeordneter EZA-Regler die Vorgabe per Fernsteuerung (z. B. über Modbus). Fehlkonfiguration kann zu Beanstandungen oder im schlimmsten Fall zur Trennung führen – lass die Einstellung im Zweifel vom Errichter dokumentieren.
Blindleistung selbst wird meist nicht vergütet, kostet dich aber indirekt: Sie belegt Scheinleistung (kVA) im Wechselrichter, sodass bei voller Blindleistungsvorgabe etwas weniger Wirkleistung übrig bleibt. Ein richtig dimensionierter Wechselrichter mit Reserve verhindert, dass dir dadurch Einspeise-kWh verloren gehen.