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Leistungsverlust berechnen: Formel, Beispiel und die typischen Fallen

Stromfee Redaktion · 5. Juli 2026
Leistungsverlust berechnen: Formel, Beispiel und die typischen Fallen
Technik & Blindleistung — Stromfee (KI-Bild)

Der Leistungsverlust einer Leitung ist reine Stromwärme: P_V = I² · R. Du brauchst also nur zwei Werte — den tatsächlichen Strom und den Widerstand des Leiters — und musst wissen, welche Länge und welche Temperatur du dabei einsetzt.

Die Formel — zwei Zeilen, mehr nicht

Verlustleistung: P_V = I² · R. Leiterwiderstand: R = ρ · l / A. Dabei ist ρ der spezifische Widerstand (Kupfer ≈ 0,0175 Ω·mm²/m, Aluminium ≈ 0,028 Ω·mm²/m), l die Leiterlänge in Metern und A der Querschnitt in mm². Wichtig ist das Quadrat: doppelter Strom heißt vierfacher Verlust. Deshalb bringt dir eine Lastspitzen-Reduktion überproportional viel, und deshalb rechnest du nie mit dem Mittelwert des Stroms, wenn die Last stark schwankt — rechne die Verluste über den Lastgang oder in Laststufen, sonst rechnest du sie systematisch klein.

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Beispiel in drei Schritten

Dreiphasige Zuleitung, 63 A Dauerstrom, 50 m einfache Länge, 16 mm² Kupfer. Schritt 1 — Widerstand je Leiter: R = 0,0175 · 50 / 16 = 0,055 Ω. Schritt 2 — Verlust über alle drei Außenleiter: P_V = 3 · I² · R = 3 · 63² · 0,055 ≈ 650 W. Schritt 3 — Energie: bei 2.000 Vollbenutzungsstunden sind das rund 1.300 kWh im Jahr, die du bezahlst und die niemand nutzt. Einphasig rechnest du dagegen mit 2 · l (Hin- und Rückleiter) und P_V = 2 · I² · R — bei gleichem Strom und gleicher Strecke also mehr Verlust als bei einer symmetrischen Drehstromleitung.

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Falle 1: falsche Länge, falscher Strom

Zwei Fehler treten fast immer gemeinsam auf. Erstens die Länge: einphasig zählt der Rückleiter mit (2 × Strecke), dreiphasig bei symmetrischer Last nicht — der Neutralleiter führt dann kaum Strom. Zweitens der Strom: wärmewirksam ist der Gesamtstrom, nicht der Wirkanteil. Rechne I = S / (√3 · U), also aus der Scheinleistung. Wer aus der Wirkleistung rechnet und cos φ vergisst, unterschätzt bei cos φ = 0,8 den Strom um 25 % — und den Verlust wegen des Quadrats um rund 56 %.

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Falle 2: Temperatur — der Widerstand ist keine Konstante

Die ρ-Werte aus der Tabelle gelten bei 20 °C. Ein belasteter Leiter wird deutlich wärmer. Bei Kupfer steigt der Widerstand um etwa 0,4 % je Kelvin: R_warm = R_20 · (1 + 0,0039 · (ϑ − 20 °C)). Bei 70 °C Betriebstemperatur sind das rund 20 % mehr Widerstand — aus den 650 W im Beispiel oben werden knapp 780 W. Für eine Wirtschaftlichkeitsrechnung rechnest du mit Betriebstemperatur, nicht mit 20 °C, sonst fällt die Amortisation eines größeren Querschnitts zu schlecht aus.

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Falle 3: Trafo- und Blindstromverluste kommen obendrauf

Ein Transformator hat zwei Verlustanteile: die lastunabhängigen Leerlaufverluste P₀ (laufen 8.760 h im Jahr, auch bei Stillstand) und die lastabhängigen Kurzschlussverluste, die quadratisch mit der Auslastung skalieren: P_V,Trafo = P₀ + P_k · (S / S_n)². Beide Werte stehen auf dem Typenschild bzw. im Prüfprotokoll. Und: Blindstrom erzeugt echte Wirkverluste in Leitung und Trafo, obwohl er selbst keine Arbeit leistet — eine Kompensation senkt deshalb deine Leitungsverluste, auch wenn sie keine einzige kWh Nutzenergie einspart.

Wo das auf deiner Stromabrechnung sichtbar wird

Alle Verluste hinter deinem Zähler zahlst du still als normale kWh im Arbeitspreis — sie stehen nirgends als Position, sondern erhöhen einfach den Zählerstand (OBIS 1.8.0). Sichtbar werden sie an drei Stellen: (1) Ein Verlustzuschlag bzw. Umspannzuschlag, wenn dein Zähler auf der Niederspannungsseite sitzt, der Vertrag aber Mittelspannung ist — der Netzbetreiber schlägt die Trafoverluste dann pauschal auf die Messwerte auf. Prüfe hier auf Doppelzählung, falls die Verluste real schon mitgemessen werden. (2) Blindarbeit: liegt dein cos φ unter 0,9, erscheint eine eigene kvarh-Position (OBIS 3.8.0 bzw. 8.8.0) — das ist derselbe Blindstrom, der auch deine Leitungsverluste treibt. (3) Der Leistungspreis: höhere Verluste heben die gemessene Viertelstunden-Höchstleistung mit an, und die wird in €/kW separat abgerechnet. Vergleiche deshalb bei einer Untermessung immer Hauptzähler minus Summe der Unterzähler — die Differenz ist deine reale Verlustenergie, und die kannst du gegen deine Rechnung gegenrechnen.

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