Leistungsverlust berechnen: Formel, Beispiel und die typischen Fallen

Der Leistungsverlust einer Leitung ist reine Stromwärme: P_V = I² · R. Du brauchst also nur zwei Werte — den tatsächlichen Strom und den Widerstand des Leiters — und musst wissen, welche Länge und welche Temperatur du dabei einsetzt.
Verlustleistung: P_V = I² · R. Leiterwiderstand: R = ρ · l / A. Dabei ist ρ der spezifische Widerstand (Kupfer ≈ 0,0175 Ω·mm²/m, Aluminium ≈ 0,028 Ω·mm²/m), l die Leiterlänge in Metern und A der Querschnitt in mm². Wichtig ist das Quadrat: doppelter Strom heißt vierfacher Verlust. Deshalb bringt dir eine Lastspitzen-Reduktion überproportional viel, und deshalb rechnest du nie mit dem Mittelwert des Stroms, wenn die Last stark schwankt — rechne die Verluste über den Lastgang oder in Laststufen, sonst rechnest du sie systematisch klein.

Dreiphasige Zuleitung, 63 A Dauerstrom, 50 m einfache Länge, 16 mm² Kupfer. Schritt 1 — Widerstand je Leiter: R = 0,0175 · 50 / 16 = 0,055 Ω. Schritt 2 — Verlust über alle drei Außenleiter: P_V = 3 · I² · R = 3 · 63² · 0,055 ≈ 650 W. Schritt 3 — Energie: bei 2.000 Vollbenutzungsstunden sind das rund 1.300 kWh im Jahr, die du bezahlst und die niemand nutzt. Einphasig rechnest du dagegen mit 2 · l (Hin- und Rückleiter) und P_V = 2 · I² · R — bei gleichem Strom und gleicher Strecke also mehr Verlust als bei einer symmetrischen Drehstromleitung.

Zwei Fehler treten fast immer gemeinsam auf. Erstens die Länge: einphasig zählt der Rückleiter mit (2 × Strecke), dreiphasig bei symmetrischer Last nicht — der Neutralleiter führt dann kaum Strom. Zweitens der Strom: wärmewirksam ist der Gesamtstrom, nicht der Wirkanteil. Rechne I = S / (√3 · U), also aus der Scheinleistung. Wer aus der Wirkleistung rechnet und cos φ vergisst, unterschätzt bei cos φ = 0,8 den Strom um 25 % — und den Verlust wegen des Quadrats um rund 56 %.

Die ρ-Werte aus der Tabelle gelten bei 20 °C. Ein belasteter Leiter wird deutlich wärmer. Bei Kupfer steigt der Widerstand um etwa 0,4 % je Kelvin: R_warm = R_20 · (1 + 0,0039 · (ϑ − 20 °C)). Bei 70 °C Betriebstemperatur sind das rund 20 % mehr Widerstand — aus den 650 W im Beispiel oben werden knapp 780 W. Für eine Wirtschaftlichkeitsrechnung rechnest du mit Betriebstemperatur, nicht mit 20 °C, sonst fällt die Amortisation eines größeren Querschnitts zu schlecht aus.

Ein Transformator hat zwei Verlustanteile: die lastunabhängigen Leerlaufverluste P₀ (laufen 8.760 h im Jahr, auch bei Stillstand) und die lastabhängigen Kurzschlussverluste, die quadratisch mit der Auslastung skalieren: P_V,Trafo = P₀ + P_k · (S / S_n)². Beide Werte stehen auf dem Typenschild bzw. im Prüfprotokoll. Und: Blindstrom erzeugt echte Wirkverluste in Leitung und Trafo, obwohl er selbst keine Arbeit leistet — eine Kompensation senkt deshalb deine Leitungsverluste, auch wenn sie keine einzige kWh Nutzenergie einspart.
Alle Verluste hinter deinem Zähler zahlst du still als normale kWh im Arbeitspreis — sie stehen nirgends als Position, sondern erhöhen einfach den Zählerstand (OBIS 1.8.0). Sichtbar werden sie an drei Stellen: (1) Ein Verlustzuschlag bzw. Umspannzuschlag, wenn dein Zähler auf der Niederspannungsseite sitzt, der Vertrag aber Mittelspannung ist — der Netzbetreiber schlägt die Trafoverluste dann pauschal auf die Messwerte auf. Prüfe hier auf Doppelzählung, falls die Verluste real schon mitgemessen werden. (2) Blindarbeit: liegt dein cos φ unter 0,9, erscheint eine eigene kvarh-Position (OBIS 3.8.0 bzw. 8.8.0) — das ist derselbe Blindstrom, der auch deine Leitungsverluste treibt. (3) Der Leistungspreis: höhere Verluste heben die gemessene Viertelstunden-Höchstleistung mit an, und die wird in €/kW separat abgerechnet. Vergleiche deshalb bei einer Untermessung immer Hauptzähler minus Summe der Unterzähler — die Differenz ist deine reale Verlustenergie, und die kannst du gegen deine Rechnung gegenrechnen.
- Warum fast jede Stromabrechnung 2026 falsch ist
- Blind- & Scheinleistung auf der Rechnung
- Lohnt sich ein Batteriespeicher (BESS)?
- Negative Strompreise 2026 automatisch abregeln
- Lastspitzen vermeiden (Flex)
- §51-Schaden berechnen